Historischer Rückblick
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Historischer Rückblick zu Emming/St. Ottilien

Emming ist ein uraltes Siedlungsgebiet. Keltische Grabbeigaben, Relikte aus der Römerzeit und Fundamente eines mittelalterlichen Wehrturmes wurden hier gefunden. Der Ortsname in seiner altertümlichen Form Ambingen besagt, dass sich in der Zeit der germanischen Landnahme ein Ambo mit seiner Sippe hier niedergelassen hat.
Erstmals bezeugt ist Emming 1019 in einer Urkunde des Klosters Wessobrunn. 1365 bestand es aus zwei Höfen und der Ottilienkapelle. Die Wallfahrt zur Hl. Ottilia lässt sich sicher seit 1365 nachweisen, ist aber wohl älteren Ursprungs. 1511 wurden die beiden Höfe zu einem zusammengelegt. Bis zum Jahr 1570 gehörte Emming meist als Schwaige den Perfall zu Greifenberg.
1570 verkaufte Benedict v. Perfall den Hof zu Emming an seinen Schwager Hans Burckhart von Haimenhofen. Dieser baute ein kleines Schlösschen an die Ottilienkapelle an. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel erwarb 1684 Johann Ulrich Füll v. Windach den Hof. Diesem wurde der Sitz Emming, den er mit einem fast neuen Schloss ausstattete, 1691 von Kurfürst Max II. Emanuel geeignet. In den folgenden zwei Jahrhunderten wechselten die Eigentümer mehr als ein Dutzend Mal.

Michael Wening: Schloss und Hofmark Emming (1701)

1885 wurde das Schlossgut Emming, dessen Bewirtschaftung mittlerweile nicht mehr rentabel war, zertrümmert.
Am 27. November 1886 erwarb P. Andreas Amrhein das Schloss mit einem Restbesitz von 66 Tagwerk Land, um hier ein Missionshaus einzurichten. In den folgenden Jahren erkauften die Benediktiner die übrigen Anwesen und legten damit den Grundstock für die heutige Missionserzabtei St. Ottilien.
1904 wurde Emming in St. Ottilien umbenannt.

Geschichte des Klosters St. Ottilien

Im Jahre 1884 gründete der Beuroner Benediktiner P. Andreas Amrhein im oberpfälzischen Reichenbach eine Gemeinschaft, die nach mittelalterlichem Vorbild das traditionelle benediktinische Leben mit der Missionstätigkeit verbinden wollte. Reichenbach war geographisch wenig günstig, und da überdies der Bischof von Regensburg Amrhein nicht förderte, wurde die Gründung 1887 nach Emming in Oberbayern verlegt. Der alte Weiler besaß eine kleine Kapelle, die der hl. Ottilia geweiht ist, so dass der Name des Klosters sofort feststand: St. Ottilien.
Im gleichen Jahr wurde die erste Missionarsgruppe nach Ostafrika ausgesandt. Bis heute ist St. Ottiliens größte Aufgabe die Unterstützung junger Kirchen im Aufbau und die Mithilfe bei der Einpflanzung benediktinischen Klosterlebens in überseeischen Ländern.
Obwohl Amrhein seine Gründung 1895 verließ, entfaltete sie sich gut. 1902 erhielt das Kloster den Rang einer Abtei. Nach Gründung dreier weiterer Abteien wurde St. Ottilien 1914 zur Erzabtei und Hauptkloster der Missionsbenediktiner. Bis heute ist der Erzabt von St. Ottilien Präses der Benediktinerkongregation von St. Ottilien.
Unter Erzabt Norbert Weber (1902-1930) wuchs das Kloster rasch und erschloss neue Missionsgebiete in Südafrika, Korea und China. Auch baulich wurde St. Ottilien erweitert, um die auf 396 Mitglieder angewachsene Gemeinschaft (1930) unterzubringen. Eine schwere Finanzkrise, die Ende der 20er Jahre das Kloster bedrohte, führte 1930 zur Ernennung von Chrysostomus Schmid zum neuen Oberen des Klosters und der Kongregation. Seine Regierungszeit wurde durch den Aufstieg der Nationalsozialisten und den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs überschattet. 1941 hob die Geheime Staatspolizei das Kloster auf; die vertriebenen Mönche konnten erst nach Kriegsende 1945 wieder nach St. Ottilien zurückkehren. Bis 1948 diente ein Teil des Klosters als Hospital für befreite KZHäftlinge, wovon ein jüdischer Friedhof heute noch zeugt. 1957 resignierte Erzabt Chrysostomus Schmid (+1962).
An seine Stelle trat Heinrich Suso Brechter (1957-1974). In seine Amtszeit fiel vor allem die große Neuorientierung des II. Vatikanischen Konzils. Die Turbulenzen dieser Jahre überstand die Gemeinschaft ohne größere Verluste.
Erzabt Viktor Dammertz (1975-1977) wurde nach nur zwei Jahren an die Spitze der Benediktinischen Konföderation gewählt, der er bis 1992 als Abtprimas vorstand. Ende 1992 ernannte ihn der Papst zum Bischof von Augsburg.
Sein Nachfolger Erzabt Notker Wolf amtierte von 1977 bis 2000 als Präses und Erzabt von St. Ottilien.
Am 7. September 2000 wurde er zum Abtprimas gewählt.
Daraufhin ergab sich für St. Ottilien am 5. Oktober eine Neuwahl, aus der P. Jeremias Schröder als neuer Erzabt hervorgegangen ist. Am 28. Oktober wurde er von Bischof Viktor-Josef Dammertz benediziert.
Im Lauf der Jahre ist St. Ottilien ein Klosterdorf geworden, mit Gymnasium, Exerzitien- und Gästehäusern, einem Verlag, zahlreichen Werkstätten, einer großen Landwirtschaft und Gärtnerei. Der älteste Gebäudeteil wurde 1892 von Andreas Amrhein entworfen. 1911 und 1955 wurden neue Klosterflügel errichtet, in denen eine Krankenabteilung, die Bibliothek, das Refektorium, Büros und rund 60 Zellen untergebracht sind.
Die Herz-Jesu-Kirche, die sich an mittelalterliche Zisterziensermodelle anlehnt, wurde von 1897-1899 erbaut. Ihr massiver Turm (75 m) dominiert das ganze Klostergelände und ist aus großer Entfernung sichtbar. Im Untergeschoß des Sakristeibaus ist heute das bedeutende Missionsmuseum beheimatet.