Grußwort
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Grußwort von Erzabt Jeremias Schröder OSB

Zum benediktinischen Klosterleben gehört eine gewisse Wehrhaftigkeit. Manche unserer alten Klöster werden als Gottesburgen beschrieben, und die mittelalterlichen Äbte mußten manchmal hoch zu Roß an der Spitze ihrer Gefolgsleute den kaiserlichen Heerbann unterstützen. In unserer zivileren Zeit ist all das Gott sei Dank nicht mehr notwendig, aber zur klösterlichen Selbständigkeit gehört nach wie vor das Ideal, in den wesentlichen Bereichen des Lebens aus eigener Kraft das Notwendige tun zu können.
Das wird besonders deutlich an der Klosterfeuerwehr St. Ottilien, die vor hundert Jahren gegründet wurde. Einige schlechte Erfahrungen, kluge Vorausschau und der Selbsterhaltungstrieb der Gemeinschaft führten zur Gründung einer Mönchsfeuerwehr, die für St. Ottilien und auch für das Umland zu einer schlagkräftigen Verteidigungsgruppe in allerlei Gefahren wurde.
Wie erfolgreich diese Feuerwehr war und ist, zeigt sich zuallererst an der erfolgreichen Vorbeugung und Verhinderung von Bränden. Der Kernbereich unserer großen Anlagen in St. Ottilien blieb in diesen hundert Jahren von katastrophalen Bränden verschont, wofür wir als gestandene Christen Gott Dank sagen, aber auch wissen, daß unsere Feuerwehr das Ihre dazu beigetragen hat. Dazu kommen die vielen Einsätze außerhalb des Klosters, die sich früher über den ganzen Landkreis erstreckten und auch heute noch einen Teil der Bundesautobahn 96 abdecken.
Die Wirkung, die eine solche Feuerwehr auf eine Klostergemeinschaft hat, geht allerdings über den effektiven Brandschutz weit hinaus. Die Feuerwehr war und ist eine Schule der Verantwortung: Generationen von Mitbrüdern wurden hier darauf vorbereitet, mit Fachwissen, Kompetenz und Standhaftigkeit als Kommandanten, Stellvertreter, Gruppenleiter, Maschinisten, im Atemschutz und als einfache Truppmänner Entscheidungen zu treffen und auszuführen, von denen das Leben anderer und das eigene abhängen kann. Die Klosterfeuerwehr war auch eine Schule der Effizienz. Die manchmal zur Selbstgenügsamkeit tendierende klösterliche Welt wurde hier immer wieder mit den neuesten Anforderungen konfrontiert. Ausstattung und Geräte, Vorgehensweisen und Übungsmethoden mussten immer wieder auf den neuesten Stand gebracht werden, damit die Feuerwehr auf dem Laufenden blieb und bei Großeinsätzen nahtlos mit den anderen Wehren zusammenarbeiten konnte.
Diese Zusammenarbeit mit den Feuerwehrstrukturen des Landkreises und der Region schließlich bringt bis heute eine enge Verzahnung mit der umliegenden Bevölkerung, was unserem Kloster sicher nicht geschadet hat. Nur ahnen kann ich, was die Nachbarschaft zu den Feuerwehrmönchen für unsere Nachbarwehren bedeuten mag; ein anderer müßte dies schildern.
So ist das Feuerwehrjahrhundert für uns Anlaß, Dank zu sagen: den vielen Mitbrüdern, die im Laufe dieser Jahre so viel von ihrer Zeit, Kraft, Intelligenz, Leistungsbereitschaft in den Aufbau und die Fortentwicklung dieser Wehr gesteckt haben, der Klostergemeinschaft, die dieses Anliegen immer mit großem Verständnis, Ermunterung, und auch materieller Unterstützung gefördert hat, der Kreisbrandinspektion und den Nachbarwehren für die solidarische Zusammenarbeit, und vor allem Gott, unserem Herrn, der das alles hat wachsen und gedeihen lassen und seine schützende Hand über diese Wehr und das von ihr beschützte Gemeinwesen gehalten hat.

Damit in allem Gott verherrlicht werde!