100 Jahre
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Frühe Brände
Die Gründung
Die ersten Jahre
Zw. den Kriegen
Nach dem Krieg
Von der FF zur WF
60er Jahre 1
60er Jahre 2
Von der WF zur FF
Brandstifter
Techn. Hilfeleistungen

 

Tatü-tata und Halleluja

Die Klosterfeuerwehr von St. Ottilien wird einhundert Jahre alt

Sie üben einmal pro Monat und immer wieder rücken sie auch zum Einsatz aus: Rund 20 Mönche der Erzabtei St. Ottilien gehören zur klostereigenen Feuerwehr. In diesem Jahr feiert die Truppe Geburtstag.
Im Januar 1907 wurde die Ottilianer Feuerwehr gegründet. Seither hat sie wiederholt ihr Können unter Beweis stellen müssen. Auch auf dem Klostergelände selbst hat es mehrfach gebrannt.

Ein Zeitungsartikel war schuld: »Irgendwann war da mal ein Bericht von uns drin«, erinnert sich Bruder Anno. Und plötzlich wollten Feuerwehrleute aus aller Herren Länder ein Abzeichen von der »berühmten Klosterfeuerwehr« haben. Im Gegenzug kamen die Abzeichen der Bittsteller nach St. Ottilien.
Heute zieren unzählige dieser Aufnäher den Gang im Ottilianer Feuerwehrhaus. Gesammelt hat sie der ehemalige Kommandant Bruder Benno Wolff. Das Fire Department New York ist darunter, dazu Los Angeles, Madrid und der Vatikan, die Werksfeuerwehr des Münchner Flughafens und Whakaratonga Ivi! - Wo immer das auch liegen mag...
Unter all diesen exotischen Wehren ist Ottilien für viele eine der exotischten: Benediktinermönche unterm Feuerwehrhelm? Tatütata und Halleluja? Die meisten finden das eine ganz erstaunliche Kombination. Für Bruder Anno ist es Normalität. Seit fünf Jahren ist er Kommandant der Ottilianer Klosterfeuerwehr. In der Regel ruft er seine Mitbrüder jeden letzten Freitag pro Monat zur Übung. Für rund eineinhalb Stunden treffen sich dann die gut 20 Klosterfeuerwehrleute und
legen Schlauchstrecken, pauken Theorie oder machen Atemschutzübungen.
Alles wie anderswo auch. Nur eines ist in diesem Jahr ein wenig anders: Die Ottilianer Feuerwehr feiert ihren 100. Geburtstag.

Am 20. Januar 1907, knapp 20 Jahre nach dem Umzug der Benediktinermönche von Reichenbach nach St. Ottilien, wurde die Klosterfeuerwehr St. Ottilien gegründet. Erster Kommandant war P. Columban Steiner, ein 27-jähriger Mönch, der ursprünglich aus Einsiedeln in der Schweiz stammte.
Die Feuerwehr war in erster Linie für den Selbstschutz gedacht.
In der damaligen Zeit gab es im Kloster häufiger Brände, insbesondere im landwirtschaftlichen Bereich: So wurde im September 1895 die neu erbaute Scheune des damals noch in St. Ottilien ansässigen Schwesternklosters ein Raub der Flammen, fast die gesamte Ernte verbrannte.
Zehn Jahre später, am 8. Januar 1906 ereignete sich in der Küche des Wirtschaftsgebäudes eine Gasexplosion. Ein gebrochenes Verbindungsrohr bei der vor kurzem in Betrieb genommenen Blaugas-Beleuchtungsanlage hatte das Unglück verursacht. Dieses Ereignis war vermutlich der Anlass für die Gründung einer eigenen Feuerwehr.
Als erste größere Feuerlöschgeräte wurden eine vierrädrige Saug- und Druckspritze, eine zweirädrige Leiter und eine Schlauchhaspel angeschafft.

Selbstverständlich halfen die Mönche auch bei Brandunglücken in der Nachbarschaft.
Am 22. Juni 1908 hatten sie das erste Mal die Gelegenheit, ihre Wehrbereitschaft unter Beweis zu stellen: Der Blitz schlug in das Haus von Matthias und Walburga Westermeier in Unterwindach ein. Das sofort auflodernde Feuer vernichtete Wohnhaus, Stall und Stadl. Die Feuerwehr St. Ottilien war sofort zur Stelle und konnte die Windacher Feuerwehr, deren Schläuche nicht bis zum Bach reichten, unterstützen.
Die nächsten größeren Einsätze waren wieder im Kloster: Im Oktober 1909 und im September 1919 fielen große Teile der Ökonomiegebäude sowie der Futtervorräte den Flammen zum Opfer. Auch später ereigneten sich im Kloster noch einige weitere Brände, die jedoch keinen größeren Schaden verursachten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt die Freiwillige Feuerwehr St. Ottilien „inoffiziell“ den Status einer Werkfeuerwehr. Die dazu erforderliche schriftliche Anerkennung durch das Landratsamt wurde vermutlich nie erteilt. 1965 wurde in St. Ottilien eine Stützpunktfeuerwehr für den Landkreis Landsberg geschaffen und ein Tanklöschfahrzeug TLF 16 stationiert.

Im Jahr 1984 erfolgte die Umbenennung der „Werkfeuerwehr St. Ottilien“ in „Freiwillige Feuerwehr St. Ottilien“.

Rund 20 Einsätze haben die 22 Feuerwehrmönche unter der Führung von Kommandant Br. Anno im Jahr. Zu Brandeinsätzen kommen Verkehrsunfälle (ein Abschnitt der A96 wird von der Klosterfeuerwehr betreut) und technische Hilfeleistungen aller Art.
Ein wichtiges Anliegen der Feuerwehr ist auch die Feuerwehrseelsorge. Die Ottilianer betreuen dabei alle 72 Wehren mit rund 3000 Feuerwehrleuten im Landkreis Landsberg.

Zu tun gab es reichlich in den ersten einhundert Jahren der Freiwilligen Feuerwehr St. Ottilien. Ob mit dem Wassereimer oder modernem Löschfahrzeug. Bei Bränden, Verkehrsunfällen oder der Hilfeleistung bei Großveranstaltungen.
Immer stand das Leitwort der Feuerwehr im Mittelpunkt: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“.

Am 14. Juli wird gefeiert. Dann laden die Mönche ihre Kollegen zum Gottesdienst und  gemeinsamen Beisammensein im Biergarten.